Kinderarbeit


 

Sieben Tage die Woche, bis zu 16 Stunden am Tag sitzen sie im Schneidersitz in dämmrigen, schlecht belüfteten Fabrikhallen und starren in eine Lupe, unter der sie mit ihren kleinen Fingern Rohdiamanten schleifen . Manche der 20.000 Kinderarbeiter in Indiens Edelsteinindustrie fangen schon mit sechs Jahren an zu arbeiten , die meisten mit elf oder zwölf Jahren. Abends tun ihnen die Glieder weh, die Augen schmerzen. Kleine Diamantensplitter in den Atemwegen verursachen Lungenkrankheiten, manche erkranken an Tuberkulose. Aggressive Chemikalien verätzen Haut und Schleimhäute. Weil sie die weit entfernten Toiletten zu selten benutzen können, leiden einige an Entzündungen der Harnwege. Viele sind chronisch unterernährt und deshalb besonders krankheitsanfällig. In den Millionenstädten Surat und Mumbei (ehemals Bombay) im Westen Indiens befinden sich die größten Edelsteinschleifereien der Welt. Etwa 80% der weltweit gewonnenen Diamanten werden hier poliert. Schätzungsweise ein Viertel der Arbeiter in den Schleifereien Surats sind Kinder. Sie sind nie zur Schule gegangen oder haben sie nach wenigen Jahren verlassen, um in den Fabriken Geld für ihre Familien zu verdienen.


Die Straße ist die Lebenswelt vieler Kinderarbeiter. Mit Kleinhandel, als Schuhputzer oder Parkwächter versuchen sie, das Einkommen ihrer oft vaterlosen Familien zu erwirtschaften oder aufzubessern. Andere Kinder schuften auf Plantagen, in Privathaushalten oder als Schuldknechte in der indischen Teppichindustrie - oft unter extrem ausbeuterischen Bedingungen, die ihre Kindheit und ihre Lebensperspektive zerstören. Seit 1979 sind arbeitende Kinder ein Schwerpunktthema bei terre des hommes. Das Kinderhilfswerk wendet sich gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Beides - Kindheit und ihre Lebensperspektive - möchte terre des hommes Mädchen und Jungen erhalten. Deshalb werden zum einen Projekte im Bereich der Präventation unterstützt : Gefährdeten Kindern und ihren Familien werden Alternativen zum Leben als Kinderarbeiter aufgezeigt. Dabei spielen Bildungsangebote eine zentrale Rolle, und es müssen Einkommensalternativen geschaffen werden. Zum anderen werden Projekte gefördert, die Kinderarbeiter und Straßenkinder begleiten, ihnen bei konkreten Problemen weiterhelfen und Chancen auf eine menschenwürdige Zukunft eröffnen.


In Deutschland versucht terre des hommes zu erreichen, dass Unternehmen auch in ihren ausländischen Niederlassungen soziale und ökologische Standards einhalten - durch Überzeugung und den Druck der Verbraucher, die angeregt werden, fair produzierte und gehandelte Waren zu kaufen. Zum Beispiel wurde mit der Teppich-Kampagne ein Siegel für Teppiche eingeführt, die ohne Kinderarbeit hergestellt sind. Ohne Kinderarbeit produzierte indische Teppiche sind mit dem Warenzeichen RUGMARK gekennzeichnet. Die Blumen-Kampagne wirbt für den Kauf von Blumen mit dem Siegel "Blumen aus menschen- und umweltschonender Produktion".